Gyn & FGM (weibliche Genitalverstümmelung)
Liebe Patientin,
falls Sie von weiblicher Genitalverstümmelung/FGM betroffen sind, ist es uns wichtig, dass Sie sich in unserer Praxis respektiert und gut betreut fühlen. Wir möchten Sie in Ihrer persönlichen Situation ernst nehmen und Ihnen eine einfühlsame und verständnisvolle Betreuung bieten.
Was ist FGM?
FGM (weibliche Genitalverstümmelung) bezeichnet die teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren weiblichen Genitalien und/oder Verengung des Scheideneingangs oder andere Verletzungen im Genitalbereich aus nicht-medizinischen Gründen. FGM ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. FGM ist in Deutschland und den meisten Ländern weltweit verboten und strafbar.
FGM weltweit, in Deutschland und in München
Betroffen sind vor allem Frauen und Mädchen aus Regionen, in denen FGM kulturell oder traditionell praktiziert wird, wie in Teilen Afrikas, Asiens und des Nahen Ostens. Über 230 Millionen heute lebende Mädchen und Frauen haben weibliche Genitalverstümmelung erlitten. Auch Frauen die jetzt in Deutschland leben können betroffen sein. In München sind derzeit etwa 11 000 Frauen aus diesen Regionen gemeldet. In Deutschland sind schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Frauen und Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) betroffen. Jährlich kommen weitere etwa 1.500 bis 2.000 Mädchen hinzu, die Gefahr laufen, betroffen zu werden, insbesondere durch Familien, die aus Ländern kommen, in denen FGM verbreitet ist.
Warum wird FGM durchgeführt?
FGM wird oft als Teil von Traditionen oder anderen Überzeugungen durchgeführt. Sie ist in keiner Religion verankert. Ziel ist meist, die Sexualität der Frau zu kontrollieren, sie „rein“ zu machen oder sie auf eine Ehe vorzubereiten. Es handelt sich dabei jedoch um eine schwere Menschenrechtsverletzung. Mütter geben diese schwere Misshandlung trotz eigenem Trauma an ihre eignen Töchter oft weiter, weil Mädchen und Frauen, bei denen keine FGM durchgeführt wurde, können „schlechter verheiratet“ werden können und damit einen niedrigen sozialen Status haben. FGM wird als eine Art „fürsorglicher Akt“ gesehen, vergleichbar mit der Einschulung. Es gibt viele mitunter erfolgreiche Versuche, FGM weltweit zu bekämpfen.
https://www.amnesty-frauen.de/unsere-gruppe/themen/fgm
https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/maedchenbeschneidung-stoppen
Auswirkungen von FGM auf die Gesundheit
1. Blase
FGM kann die Blase und die Harnwege beeinträchtigen. Durch Narbenbildung oder anatomische Veränderungen kann es zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Harnwegsinfektionen oder zu chronischen Schmerzen im Unterbauch kommen. Manche Frauen haben auch das Gefühl, die Blase nicht richtig entleeren zu können.
2. Sexualität
FGM kann die sexuelle Lust und das sexuelle Erleben beeinträchtigen oder völlig unmöglich machen. Besonders die Entfernung von Teilen der Klitoris kann zu vermindertem sexuellen Vergnügen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen. Eine teils nicht mal für einen Finger passierbare Vag*na kann penetrativen Geschlechtsverkehr unmöglich machen. Viele Frauen empfinden auch eine tiefgehende psychische Belastung, die das Sexualleben zusätzlich erschwert.
3. Menstruation
Bei Frauen, die FGM erlitten haben, kann die Menstruation schmerzhafter oder schwierig werden. Durch die Narbenbildung und mögliche Verengungen des Vaginalkanals kann der Menstruationsfluss blockiert werden, was zu Blutstauung, starken Schmerzen oder Infektionen führen kann.
4. Geburt
Frauen, die FGM durchgemacht haben, sind während der Geburt einem höheren Risiko ausgesetzt. Die Narbenbildung und die Veränderung des Geburtskanals können die Geburt erschweren, was zu einem erhöhten Risiko für Komplikationen wie verzögerte Geburt, Geburtsverletzungen und verstärkten Blutungen führen kann. In vielen Fällen benötigen betroffene Frauen einen Kaiserschnitt oder andere medizinische Interventionen. Eine Entbindung in einer Geburtsklinik ist daher unerlässlich.
Diese Auswirkungen machen deutlich, wie tiefgreifend die körperlichen und psychischen Folgen von FGM sein können. Es ist wichtig, dass betroffene Frauen eine umfassende medizinische Betreuung erhalten, die auf ihre individuellen Bedürfnisse eingeht.
Wichtige Punkte zur Betreuung:
• Vertrauen aufbauen – Wir nehmen uns Zeit für ein Gespräch und möchten Sie dort abholen, wo Sie gerade stehen. Wir fragen vorsichtig nach, ob und wie Sie von der FGM betroffen sind und ob Sie darüber sprechen oder Unterstützung wünschen.
• Jede Frau ist individuell – Die Auswirkungen von FGM sind sehr unterschiedlich und können sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein.
• Verborgene Belastungen – Manche Frauen haben möglicherweise psychische Beschwerden, die sie vielleicht nicht ansprechen oder selbst nicht bewusst wahrnehmen. Auch auf das Unausgesprochene versuchen wir, zu achten.
Bei der Untersuchung:
• Wir erklären Ihnen vorab, dass die gynäkologische Untersuchung unangenehm sein könnte und warum dies der Fall sein könnte. Wir führen diese vorsichtig und mit den richtigen Instrumenten durch. Wir machen nichts, das Sie nicht möchten.
Mögliche Spätfolgen & weitere Unterstützung:
• Wenn Sie gesundheitliche oder andere Probleme durch FGM haben vermittel wir Sie gerne an Beratungsstellen für FGM (z.B. IMMA)
• Falls Sie sich mit dem Thema „Wiederherstellung“ oder „Defibulation“ beschäftigen möchten, können wir Sie auch hierzu beraten.
Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, sprechen Sie uns jederzeit an. Wir sind da, um Sie zu unterstützen.